Sich selbst versorgen lernen ...

... & warum das so wichtig ist.

Immer wieder passiert es mir, dass ich mich selbst in ein Loch der Verzweiflung bringe.  

Wie es dazu kommt fragst du dich.  

Ich erzähle es dir, vielleicht kennst du das ja.  

Ich mache mich viel öfter als es mir bewusst und lieb ist, abhängig von anderen Menschen.  

Ich hatte das schon immer jedoch fällt es mir seitdem ich Mutter bin viel stärker auf und es dringt mehr in mein Bewusstsein ein als jemals zuvor.  

Warum das so ist?

Ich denke es kommt daher, dass ein Kind von seiner Mutter zu 100% abhängig ist. Diese Abhängigkeit macht es mir Bewusster wie abhängig ich immer noch von anderen Menschen, also vom Außen bin, weil ich es nicht gelernt habe mich vollständig abzunabeln. Ich habe es nicht gelernt meine Verantwortung für mich selbst zu 100% zu übernehmen. Dazu gehört es auch sich selbst gut zu versorgen, für sich selbst da zu sein, zu sich selbst zu stehen und sich auch mal mit einem selbstsicheren „Nein“ abzugrenzen. Ich bin oft immer noch dieses zu 100% abhängige kleine Baby und möchte von außen versorgt werden. Ich wünsche mir, dass meine Mitmenschen meine Gedanken lesen können und für mich Handeln. Das ist nichts Bewusstes, nein es ist das Baby in mir das diese Wünsche hegt.  

Wenn wir Erwachsen werden geht das schleichend einher. Kaum sind wir geboren werden wir zu Kleinkindern, Kindern, Teenager und Volljährig wir ziehen aus von zu Hause und leben fortan alleine oder in Partnerschaft. Wir heiraten bekommen Kinder und sind Erwachsene Kinder. Nicht jedem ergeht es so, nicht immer mag es genauso sein. Aber oft sind wir noch das Baby, das Kleinkind, das trotzende Kind oder der wütende, verzweifelte, traurige Teenager. Das alles ist in uns gespeichert das alles nehmen wir mit. Oft verfallen wir in diese alten Gefühle und merken es gar nicht. Da streiten wir mit unserem Partner und sind gerade vier Jahre alt und haben das Gefühl unser Lieblingsstofftier wurde uns weggenommen. ;) Oder wir sind wütend auf unsere Lebensumstände, in die uns die „Anderen“ gebracht haben und merken nicht wie der verzweifelte Teenager in uns wütet.  

Ich zum Beispiel habe gelernt immer brav und lieb zu sein.  

Warum?

Ich wollte um alles in der Welt geliebt werden von jedem einzelnem Menschen auf diesem Planeten. Puh was für eine schwierige Aufgabe, die ich mir da selbst gestellt habe.  

Wer kann schon immer allen alles recht machen?  

Vor allem wo bleibt man da selbst. Um zum Warum zu kommen, ich wollte nicht ausrangiert werden, ich wollte nicht aufs Abstellgleis geraten, ungeliebt in einer Ecke liegen wie ein vergessenes Spielzeug. Ich hatte Angst und meine größte Urangst die mich dazu drängte immer brav und lieb zu sein war die „Trennung“ das „Verlassen werden“. Diese Urangst entsteht bei uns von Geburt an, da werden wir getrennt von unserer Mutter. Bei mir war es noch so, dass mich meine Mutter, ich glaube es waren 24 Std. nach der Geburt, zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Wie furchtbar für so ein kleines Wesen welches nach 10 Monaten intensivstem Einheitsgefühl, einen ganzen Tag getrennt ist von seiner Mutter. Es gibt ja Kinder die hatten noch viel ärgere Traumata bei ihrer Geburt. Aber für ein Baby ist eine Stunde schon eine Ewigkeit. Das machen wir uns leider nur viel zu selten bis nie bewusst.  

Auf alle Fälle trug diese Trennungsangst dazu bei mich selbst zu vergessen. Ja grotesker Weise sogar mich von mir selbst abzutrennen und mich nicht mehr zu spüren. So abgetrennt von sich selbst von seinen Gefühlen und seinen Bedürfnissen ist man die perfekte Maschine das perfekte Wesen für die Anderen, aber nicht mehr für sich selbst.  

Wie soll man sich selbst versorgen lernen, wenn man sich selbst verleugnet und aufgegeben hat?

Wie soll ich in diesem Zustand meine Gefühle wahrnehmen, meine Bedürfnisse erkennen und meine Warnsignale empfangen – die mein Körper mir sendet?  

Jetzt ist es zu aller Überfluss bei mir noch so, dass ich gelernt habe meine Gefühle mit Essen wegzudrücken um sie nicht mehr fühlen zu müssen.  

Hast auch du einen Mechanismus erlernt dich und deine Gefühle nicht mehr wahrnehmen zu müssen? Wenn ja welche sind es bei dir?

Da gibt es sicherlich viele Strategien um sich Selbst und seine Gefühle nicht mehr war nehmen zu müssen.  

Mir fällt es schwer mir selbst treu zu bleien. Für mich selbst einzustehen, ja gut für mich zu sorgen. Doch ich bin dran es zu lernen und es geht in guten Phasen schon sehr gut und in turbulenten Zeiten braucht es noch Geduld und viel Einsicht von mir selbst für mich selbst.

Was mir hilft ist mir meiner selbst immer mehr bewusst zu werden. Für mich selbst Verständnis aufzubringen, mich selbst mein Tun und Handeln zu verstehen und wertzuschätzen gerade dann wenn ich nicht perfekt bin ist Gold wert. Wir lernen es nicht uns selbst zu verstehen, ich habe es gelernt für alle anderen Verständnis zu haben, aber mich selbst anzunehmen und zu verstehen lag mir sowas von fern, das erlerne ich jetzt erst mit fast 40 Jahren und somit sei gesagt es ist niemals zu spät etwas zu lernen. Vor allem nicht wenn es dir selbst dient und somit dann auch allen anderen. Denn erst wenn du selbst für dich gut sorgen kannst wirst du auch ein Mensch der gut für andere Sorgen kann.  

Wieso ich darauf komme?  

Ganz einfach, ich bin eine gute Mutter die gut für ihr Kind sorgt.

Aber wenn ich mich selbst vergesse und mich nicht um mich sorge, dann werde ich zu einer grantigen Mutter. Wenn ich meine eigenen Grenzen nicht achte, dann werde ich zu einer Mutter die ich nicht sein möchte. Denn ich werde dann ungeduldig, grantig verärgert und wütend. Das macht mich dann traurig und ohnmächtig und ich verfalle dann in die Selbstanklage darüber eine schlechte Mutter zu sein. Aber das entspricht nicht der Wahrheit, denn ich bin dann einfach über mich hinweg gegangen, ich habe mich dann nicht selbst wahr und ernst genommen und nur allein deswegen bin ich in die, für mich negativ gewerteten, Gefühle von Ungeduld, Grant, Ärger, Wut gefallen. Diese Gefühle sind meine Wegweiser. Sie zeigen mir auf das ich etwas Wichtiges vergessen habe. Nämlich auf mich selbst zu achten, mich selbst an erste Stelle zu setzen, damit ich wieder die ausgeglichene liebevolle Mutter sein kann die ich auch tief in meinem Herzen bin.

Wenn ich mich selbst gut versorgen lerne, dann kann ich auch die Frau sein die ich immer sein wollte. Nämlich liebevoll und fürsorglich für meine Mitmenschen da zu sein. Egal ob für meine eigene kleine Familie oder für meine große Familie, Freunde, Bekannten und auch für die mir noch fremden Menschen. Weil ich dann mit viel Verständnis und Liebe auf mich selbst schaue und dadurch auch mit viel Verständnis und Liebe auf meine Mitmenschen schauen kann.  

In dem Sinne:

 

„Sorge gut für dich denn erst dann kannst du auch wirklich gut für alle anderen Sorgen!“

 

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